Tod

„Spring doch“

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Was muss das für ein unfassbares Bild gewesen sein.
Ein junger, verzweifelter Mensch, dem gerade die Flucht aus Somalia und damit vor Bürgerkrieg und Elend gelang, die Flucht vor Islamisten und al-Shabaab-Miliz der so viel durchgestanden hat und nun dennoch an seiner Vergangenheit zu zerbrechen drohte, schickt sich an, sich in den Tod zu stürzen.
Er ist gerade 15 oder 17 Jahre alt (Die Angaben variieren), noch ein halbes Kind und die natürliche Reaktion eines emotional gesunden Menschen bestünde darin, Angst um sein Leben zu haben, ihn abbringen zu wollen. Vielleicht denkt ein normaler Mensch in so einem Moment an seine eigenen Kinder daheim, die dieses Alter bereits hinter sich haben und schon an den alltäglichen Krisen der Pubertät fast gescheitert wären. Oder an die Kinder daheim, die noch jünger sind, aber schon in wenigen Jahren im selben Alter wären. Vielleicht denkt man aber auch an die eigene Jugend zurück, erinnert sich daran, um wie vieles größer jedes kleine Unglück schien und wie desolat die emotionale Lage dann bei jemandem sein muss, der nicht nur kleine Zurückweisungen erlebt oder bloß nicht das gewünschte Weihnachtsgeschenk erhalten, sondern Mord und Verfolgung erlebt hat, das eigene Leben aufs Spiel gesetzt hat, nur um einen Ort zu finden, der ihm Frieden und Ruhe bringen möge. Weiterlesen

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Endlich

Man schließt die Augen der Toten behutsam; nicht minder behutsam muss man die Augen der Lebenden öffnen. (Jean Cocteau)

So sehr unsere Gesellschaft auch darauf beharrt, auf- und vor allem abgeklärt zu sein, man verfängt sich beim Kratzen an der Oberfläche und näherer Betrachtung des vordergründig schönen Scheins schnell in all den Widersprüchen, die den meisten schon Gewohnheit sind.

Und so hat sich in unserer Medien – und Konsumgesellschaft trotz aller Beteuerungen, ein wissenschaftlich nüchternes Bild vom Leben zu haben, vor allem eine Angst voll ausgeprägt:
Die Angst vor der Endlichkeit

Da der Homo Ökonomikus sich vor allem als Konsument versteht, oder auch von anderen so verstanden und gehandhabt wird, wird von der Wiege bis zur Bahre konsumiert, was das Zeug hält.

Das Leben beginnt hier mit Konsum von Märchen und vor allem Kinderbüchern, die „sauber“ sind. Kein Tod, kein Schmerz, keine Behinderung, keine Sorgen weit und breit. Alte Märchen sind wohl in manchen Kindheiten das einzig nicht „kindgerechte“, nicht „saubere“, schaut man sich die wunderbaren Märchen der Gebrüder Grimm oder z.b. das großartige, nicht-disneyfizierte Original der „kleinen Meerjungfrau“ an. Dort gibt es noch das Scheitern, den Tod, Grausamkeiten, Ängste.
Wir diskutieren heute verwundert, wieso man Kindern solche Geschichten erzählte während wir unsere Kleinen in Watte packen, und ihnen jede reelle Sicht auf das Leben versperren, wo es nur geht. So habe ich persönlich als Kind das Buch „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren heiß geliebt. Vor einigen Monaten wollte ich es noch einmal lesen, da es als Kind solchen Eindruck hinterlassen hatte. Erschrocken las ich die Rezension einer empörten Mutter, die anprangerte, das Thema Tod in dem Buch sei für Kinder nun denkbar ungeeignet und keinesfalls zu empfehlen. Dem kann ich nur widersprechen. Ganz im Gegenteil geht Astrid Lindgren wie gewohnt sehr liebenswert und vorsichtig mit ihren jungen Lesern um.
Den vermeintlich pädagogisch wertvollen Büchern folgt das Öko-Holzspielzeug, die glutenfreie Kost und Daueraufsicht auf dem Spielplatz. Nicht, dass das Kind sich das Genick bricht bei der wilden Rutschfahrt oder im Sandkasten abhandenkommt.
Später sorgen wir dafür, dass Oma im Krankenhaus leidet und stirbt und erzählen dem Kind, sie sei auf Urlaub. Weiterlesen

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