Sprache

Reden wir über…

 

Stottern

Interview mit Ronja Zimm, seit frühester Kindheit von Stottern betroffen

12784654_1249020531780786_1640230606_n

(Auf dem Foto: Ronja Zimm / Stottern – Momentaufnahmen / Fotografin: Laura Ludwig)

 

Für die meisten Menschen sind Sprache und das Sprechen an sich selbstverständliche Mittel zur Kommunikation. Wir nutzen sie, um uns mitzuteilen, unsere Emotionen und Bedürfnisse, unsere Meinung. Beim Einkaufen, in Beziehung und Familie, in Schule und Beruf ist das gesprochene Wort Basis für zwischenmenschlichen Austausch. Wie wichtig diese Fähigkeit zur Artikulation tatsächlich ist erfahren oft nur die, denen sie temporär oder langfristig abhandenkommt.

Allein in Deutschland stottern etwa 800.000 Menschen. Bei den meisten zeigt sich diese Sprechbehinderung bereits im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. Per Definition ist Stottern eine „Unterbrechung des Redeflusses durch auffällige Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen.“ Tatsächlich entwickelt jedoch so gut wie jeder Stotterer ein individuelles Sprachbild mit ebenso individuellen Ausprägungen der Sprechstörung. Meist wird das Stottern von sekundären Symptomen begleitet. Dazu gehören z.b. das auffällige Verkrampfen der Gesichtsmuskulatur oder zusätzliche Körperbewegungen beim Sprechen. Zudem entstehen durch die gehemmte Kommunikation oft auch Rückzugstaktiken, zu denen das „Verschleiern“ gehört, bei dem Füllwörter oder Synonyme genutzt werden, um bekannte Sprachblockaden zu umgehen, aber auch gravierendere Selbstschutzhandlungen wie komplette Sprechvermeidung oder der Rückzug in soziale Isolation. Weiterführende Informationen finden sich hier.

Eine der rund 800.000 Betroffenen ist Ronja Zimm, 29 Jahre alt.

Susannah Winter: Besteht das Stottern bei dir von Kindheit an? Erinnerst du dich daran, wann die ersten Symptome auftraten und wie diese aussahen?

Ronja Zimm: Ich selbst kann mich nicht daran erinnern, mit dem Sprechen und Stottern angefangen zu haben. Aus Erzählungen weiß ich nur, dass ich in den ersten Monaten wohl noch fließend gesprochen haben soll und das Stottern erst im Kindegartenalter begonnen hat. Aus dieser Zeit sind auch meine ersten bewussten Erinnerungen: Eine Mischung aus Frustration darüber, dass ich durch die Krämpfe nicht mitteilen konnte was ich wollte und Unverständnis darüber, warum ausgerechnet ich so „anders“ war. Das hat die Kindergartenzeit zu einer tränenreichen gemacht. Weiterlesen

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone
Vielen Dank fürs Teilen

Am Anfang war das Wort

Wer, wie ich, noch verordneten Religionsunterricht erlebt hat, der war auch irgendwann mit dem Johannesevangelium konfrontiert. Dessen erster Satz ist mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen:

„Am Anfang war das Wort“

(Tatsächlich heißt es im Johannesevangelium noch „im Anfang war das Wort“, jedoch würden wir dies heute so nicht mehr sagen.)

Meine Sprachaffinität und das ständige „Warum?“, das ich in meinem Hinterkopf mit mir herumtrage, ließen nicht locker.
Konnte am Anfang das Wort gewesen sein?
Was steht am Anfang allen Seins und Tuns?

Ich untersuchte meine eigene Vorgehensweise, meinen Sprachgebrauch und stellte fest, dass das Wort, so sehr ich es auch liebte, bestenfalls Mittler war.
Vor jedem Wort stand die Intention. Ein Gemisch aus Emotionen, Willen, Vorstellung, dem das Wort dann Form gibt.
Das Wort ist, in begrenzter Weise, Ausdruck unseres inneren Chaos‘.
Wir ordnen mit Worten unsere Gedanken und geben ihnen Form, schaffen damit gleichzeitig die Möglichkeit, unser Gegenüber teilhaben zu lassen.

Nichts unterscheidet den Menschen so sehr vom Tier, wie die Fähigkeit zur Sprache in Wort und Schrift.
Nichts hat die Menschheit so sehr vorangebracht  wie die Möglichkeit, Erfahrungen und Erlebnisse zu dokumentieren und der nächsten Generation weiterzureichen, so dass diese nicht dieselben Erfahrungen erneut machen musste, sondern aufbauend auf der letzten Generation weiter forschen, lernen, entdecken konnte.
Die Primatenforschung liefert da phantastische Einblicke in die Möglichkeiten aber auch die Begrenztheit der kulturellen Weiterentwicklung der Affen, da diese im besten Falle aus Erfahrung, sehen und Übernehmen vorgelebter Verhaltensweisen lernen, so dass Erfahrungen zwar von Generation zu Generation weitergereicht werden, jedoch ohne direktes Antrainieren nicht überdauern würden. Weiterlesen

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone
Vielen Dank fürs Teilen