Einige Informationen zur Blog-Serie „Reden wir über…“

Bei fast allen Erkrankungen, seien sie nun physischer oder psychischer Natur, entwickeln sich individuelle Krankheitsbilder, so dass zwei Menschen mit Depressionen, Angststörungen, Psychosen oder Mukoviszidose, HIV, CFS/ME dennoch sehr unterschiedliche Krankheitsbilder und Lebensläufe haben können. Ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Einblick in das Erleben der Betroffenen bieten. Drei Themenbereiche lagen mir deshalb vor Beginn der Reihe besonders am Herzen:

Zuerst selbstverständlich die persönlichen Erfahrungen der Erkrankten, ihr ganz individueller Umgang mit der Krankheit.

Dann, für mich ein besonders wichtiger Punkt, ist das Thema Gesellschaft und Krankheit, also alles, was sich um Inklusion, Vorurteile und andere gesellschaftliche Aspekte dreht, mit denen Menschen, die der Norm auf die eine oder andere Weise nicht entsprechen, zu leben haben. Nicht zuletzt hoffe ich, mit diesen, oft sehr persönlichen, Texten zumindest einen Denkanstoß zu bieten. Das Kind, das auf der Zugfahrt schreit, ist vielleicht nicht „bloß schlecht erzogen“ sondern hat eine Form von Autismus und Eltern, die liebevoll und engagiert genug sind, sich dennoch gemeinsam in die Gesellschaft zu wagen, anstatt der Forderung nach schamhaftem Verhalten und Rückzug in die Isolation nachzugeben. Der hustende Mann im Bus ist vielleicht nicht ansteckend und hätte Ihnen deshalb lieber erspart mitzufahren, sondern leidet an Asthma oder Mukoviszidose. Und nein: Immer noch ist HIV nicht durch Händeschütteln oder eine Umarmung übertragbar. Unsere Vorurteile und unser gesellschaftliches Normierungsbedürfnis machen vielen Menschen das Leben schwerer, als es für sie ohnehin schon ist. Und unsere Forderung, potenziell erkrankte Kinder lieber abzutreiben, den „Lebenswert“ eines Menschen an physischer Unversehrtheit festzumachen, wird vielen Lebensläufen und Erfahrungen nicht gerecht. Es gälte, einen aufmerksamen Umgang miteinander zu pflegen und auch Menschen, die unserem grotesken Bild von hollywoodesker Perfektion, ewiger Jugend und Schönheit nicht entsprechen, wieder zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Ich hoffe innigst, dass ein kleiner Einblick in die vielen Stärken und Schwächen, die unterschiedlichen Lebensläufe, die Erkenntnis aufkommen lässt, dass wir uns alle in unseren Grundbedürfnissen und unserem Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens gar nicht so sehr unterscheiden, wie manche beim Anblick einer Behinderung oder Imperfektion zu erkennen meinen.

Der dritte Aspekt ist die Frage nach Politik und Krankheit. Welche Regelungen und Gesetze erschweren das Leben der Betroffenen? Wieso ist auch heute, nach Jahrzehnten haltloser Versprechen, Inklusion immer noch Zukunftsmusik? Warum werden für Erkrankte Arbeitsmöglichkeiten und Arbeitszeiten nicht flexibler ausgelegt? Welche Medikamente, Kuren, Hilfeleistungen werden übernommen und welche nicht und mit welcher Begründung? Jeder Erkrankte stößt irgendwann im Laufe seines Lebens an eben diese politischen Grenzen, die nicht selten enger gesteckt sind, als seine eigenen. Hier gilt Stéphane Hessels „Empört euch!“. Auch für Nicht-Betroffene.

Die Idee zu dieser Reihe entstammt nicht zuletzt meiner eigenen Erfahrung mit der Depression und dem Bedürfnis, nach vielen Jahren des Bemühens um einen Anschein von „Normalität“, offen und offensiv mit dem Thema umgehen zu dürfen. Und auch anderen sollte es offenstehen, sich „Gehör zu verschaffen“, ihre Geschichte zu erzählen.

Auch in Zukunft suche ich noch nach Lebensgeschichten, Erfahrungen und Einsichten. Selbstverständlich haben Sie die Möglichkeit der völligen Anonymisierung und Kontrolle über den entstehenden Text. Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass irgendetwas veröffentlich wird, was Sie nicht über sich lesen wollen. Nähere Informationen erhalten Sie hier:

SusannahWinter@gmx.de, Facebook, Twitter

Es ist geplant, die Reihe im Rhythmus von 14 – 28 Tagen zu veröffentlichen. Ich bitte angesichts der Tatsache, dass vielen Betroffenen das Ausfüllen von Fragebögen und die Offenheit, oft jedoch auch einfach physische Beschwerden zu schaffen machen jedoch um Verständnis, wenn diese Regelmäßigkeit nicht immer beibehalten wird. Auch die Blogbetreiberin kämpft noch mit Depressionen und ist keine Maschine. Deshalb bitte ich um Verständnis für kleine Verzögerungen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen interessierten Lesern und selbstverständlich bei allen Mitwirkenden.  Ihr/Euer Vertrauen ehrt mich sehr.

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