Blogbeiträge 2015 / Alter Blog

Ideologische Grabenkämpfe – Ist Religion die Wurzel allen Übels?

Wir feiern gerade Weihnachten, ein religiöses Fest.

Ein guter Zeitpunkt, nach Sinn und Unsinn von Religion zu fragen, wissenschaftliche und religiöse Weltbilder zu vergleichen und der Frage nachzugehen, ob Religion tatsächlich zu dem  Feindbild taugt, das ursächlich für jeden Krieg und jede Gesellschaftsspaltung sein soll.


Der Kampf um die eine Wahrheit


 

Der tiefe Graben zwischen Wissenschaft und Religion ist alt.
Nicht sonderlich verwunderlich, wurden doch große Vordenker der Wissenschaft unter der Vormacht von Religion verfolgt, ausgestoßen und an Leib und Leben bedroht.
Das Ziel der Wissenschaft in religionsgeprägten Gesellschafen war klar vorgegeben:
Sie sollte den Gottesbeweis erbringen.
Die Basis für jede Wissenschaft jedoch ist Zweifel, Kritik an den eigenen Gedanken, an gesellschaftlichen Normen und Vorgaben und so kann ein Wissenschaftler nur dann frei arbeiten und forschen, wenn er dies ergebnisoffen tun kann.
In gleichem Maße sahen sich auch Geisteswissenschaftler angehalten, Gott zu beweisen.

Und heute? Wir geben gerne vor, in aufgeklärten Zeiten zu leben, doch ganz ohne Dogmatismus kommen auch wir nicht aus.
Wir haben den Gottesglauben (weitestgehend) eingetauscht und glauben heute gerne an den funktionierenden Markt, Dollar, Euro und Yen. Wir glauben an unser politisches System als das einzig Funktionsfähige, die einzige Wahrheit, auch wenn uns Kritiker ein ums andere Mal auf systemimmanente Schwierigkeiten aufmerksam machen, die unser Glaubensgerüst ins Wanken bringen könnten. Weiterlesen

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Wir haben wieder eine Kolonie

(Ebenfalls veröffentlicht Auf Peira.org)

„Keine Festung ist so stark, dass Geld sie nicht einnehmen kann“ (Marcus Tullius Cicero/ römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph)

Wir leben in Zeiten zunehmender Öffentlichkeit und wenig ist Politikern und Personen des öffentlichen Lebens wichtiger, als die Fassade zu wahren, was nicht selten Beugung von Sprache zur Folge hat.
So sind Kriege bevorzugt „Interventionen mit militärischen Mitteln“, tote Zivilisten lediglich „Kollateralschaden“ und bei gewaltsam aus der Bevölkerung entfernten Bevölkerungsgruppen spricht man von „ethnischer Säuberung“.

Und still und heimlich hat sich unter dem Deckmäntelchen der „Privatisierung“ der Neo-Kolonialismus in Griechenland ausgebreitet.

Nach einem kurzen, schmerzhaften Krieg über die politische Deutungshoheit, mit Verlusten fast ausschließlich auf griechischer Seite, der mit der zu erwartenden, umfassenden Kapitulation der griechischen Polit-Hoffnungsträger und dem Bruch des europäischen Solidaritätsgedankens ebenso einherging, wie mit erhöhten Suizidraten und dem Verlust eines funktionierenden Gesundheitswesens, mussten die Griechen Abschied nehmen von demokratischen Ideen, politischer Autonomie und der Hoffnung darauf, mit einer demokratisch einwandfreien Revolte und einem lauten „Oxi“ aufbegehren zu können gegen den vornehmlich deutschen Austeritätskurs.
Dieser Sieg war nicht zuletzt auch deshalb möglich, weil die Solidarität der restlichen Europäer fehlte. Zwar gab es hierzulande Stimmen, die den griechischen Ruf nach Selbstbestimmung und Menschenwürde mittrugen, doch ein Großteil der Bürger war zu beschäftigt mit Meldungen über mögliche Kosten, die aus der Krise entstehen könnten. Weiterlesen

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In den Sternen

“Mit Würde auf der Welt zu sein heißt, jeden Tag sein Horoskop zu korrigieren.” (Umberto Eco)

Keine Klatschzeitschrift, kein Lokalblättchen, das ohne Horoskop auskäme.
Zwar verzichten die seriöseren Tageszeitungen auf Zukunftsprognosen für ihre Leserschaft, aber auch Blättchen wie „BILD“ erfreuen ihre Leser gerne mit dem kurzen Blick in die Sterne.
Das Online-Angebot von BILD umfasst zudem Einblicke in Tages-, Monats- und Jahreshoroskop, eine „Sexfaktor-Typologie“, ein Erotik-Horoskop, ein Party-Horoskop und ein Wellness-Horoskop.

Werbung macht hier „Viversum“ als Anbieter dieser umfassenden „Lebensberatung“ und verspricht auf einem blinkenden Banner: „Astrologen kennen schon heute Antworten auf Ihre Fragen“.
Der Klick auf das Gratisangebot führt zum Online-Portal von „Viversum“ und lockt:

„Was erwartet Sie 2016?
Finden Sie 2016 Ihre große Liebe? …Erfahrene Kartenleger, Astrologen, Hellseher und Wahrsager wissen schon heute, was das neue Jahr für Sie persönlich bereit hält….“ Weiterlesen

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Dunkle Zeiten

Letzte Nacht war es zum ersten Mal merklich kühler, der Winter steht vor der Tür.
Es wird schon am späten Nachmittag dunkel und wer kann, der schaltet jetzt das Licht ein, brüht mithilfe des Wasserkochers einen Tee auf, setzt sich gemütlich vor Laptop oder Fernseher, dreht langsam die Heizung auf oder lässt sich am Abend ein Bad ein.

Weitestgehend unbemerkt bleiben die, die nicht können.

Obwohl Energiearmut und Stromsperren immer häufiger werden, ist dieses Thema in Politik und Medien kaum präsent.
Einzig „Die Linke“ hat sich, wie jedes Jahr in den letzten Jahren, gegen die Stromsperrung ausgesprochen, nachdem sie bereits im Dezember 2014 einen Antrag beim deutschen Bundestag eingereicht hat, in dem sie ein Verbot der Stromsperren veranlassen wollte.
Wie erwartet wurde dieser Antrag abgelehnt (beinahe selbstverständlich: CDU/CSU sprachen sich dagegen aus, ebenso die SPD. Lediglich die Grünen enthielten sich.)
Gleiches widerfuhr dem Antrag auf Senkung der Stromsteuer.

352.000 Menschen waren im Jahr 2014 ohne Strom und damit mehr als in den Jahren zuvor.
Damit ist Deutschland Europameister im Strom sperren.
War es schon vor der Energiewende und der daran geknüpften EEG-Umlage für viele schwer, ihre Stromrechnung zu begleichen, so hatte diese Strompreiserhöhung gerade für Geringverdiener, Mini-Jobber, Rentner, Transfergeldempfänger katastrophale Folgen. Weiterlesen

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„Sterbehilfe“ – Ein Euphemismus

Am 06.11.2015 will der Bundestag über eine mögliche Neuregelung zum Thema „Tötung auf Verlangen“ abstimmen.
Liest man sich durch Foren, Beiträge diverser Journalisten, zappt durch Polit-Talks, so scheint die Haltung der meisten klar.
Eine Neuregelung wird bejubelt, quasi herbeigesehnt.

Und ich muss an dieser Stelle einräumen:
Über Jahre klang der Euphemismus „Sterbehilfe“ auch für mich wie eine soziale Wohltat.
Auch ich war überzeugt davon, dass wir als Sozialstaat mit dem Anspruch, Menschenrechte hochzuhalten, doch sicherlich nur das Beste für Kranke, Alte, Sterbende wollten, wenn wir diese von ihrem Leid erlösten.

Aber ich glaubte damals auch noch, dass ich mit einem Lächeln die Welt verändern könnte, dass Menschen im Kern gut seien und jeder sein Bestes täte.
Ich glaubte an die Heilsversprechen von Chancengleichheit, gelungener Emanzipation, war überzeugt davon, in einer phantastisch funktionierenden Demokratie zu leben und hielt Armut in unserem Land für ein Gerücht.

Kurzum: Ich war naiv. Weiterlesen

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Zwischen Wahrheit und Wahrnehmung

Ich möchte in diesem Beitrag die Frage aufwerfen, inwieweit das medial gesponnene Sommermärchen einer gutherzigen, großzügigen und grenzöffnenden Kanzlerin der Realität entspricht.

Selbstverständlich ist es in einem politischen Beitrag müßig, über „Wahrheit“ zu diskutieren.
Jede Wahrheit fußt in erster Linie auf subjektiver Wahrnehmung.
Physiologisch betrachtet ist unsere sensorische Wahrnehmungsfähigkeit beschränkt.
Visuell auf bestimme Farben, akustisch  auf bestimmte Frequenzen.
Auch der menschliche Geruchssinn ist, im Gegensatz zu dem vieler Tierarten äußerst begrenzt.
Auf psychologischer Ebene nehmen wir alle neuen Erfahrungen durch die Brille bereits gemachter Erfahrungen wahr, sind, entgegen häufig anders lautender Behauptungen, gar nicht fähig, „objektive“ Beobachtungen zu machen, sondern auf Subjektivität beschränkt.
Und philosophische Ansätze zur Wahrheitsfindung gibt es zuhauf, wobei jeder These, so durchdacht sie auch sein mag, eine Antithese entgegensteht.

„Die eine Wahrheit“, sie existiert schlicht nicht.

Was wir gerne „Wahrheit“ und „Realität“ nennen ist oft nicht mehr, als der kleinste gemeinsame Nenner, auf den alle Beteiligten sich einigen können.

Wenn wir also „Wahrheit“ im politischen Sinne hinterfragen wollen gilt es, ähnlich wie in der Wissenschaft, dies durch Verifikation und Falsifikation zu tun, um am Ende der Debatte wenigstens den Kern der Aussage beweisen oder widerlegen zu können.

In diesem Falle geht es mir um das medial entworfene Bild Merkels als „Grenzöffnerin“ und Personifikation der „Willkommenskultur“ und die mediale Selbstinszenierung Merkels einerseits, und den Vergleich mit tatsächlich von ihr getroffenen politischen Entscheidungen andererseits. Weiterlesen

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„Sehe ich krank genug aus?“

Sie steht wieder ins Haus, die turnusmäßig alle zwei Jahre stattfindende „Amtsärztliche Begutachtung zur Feststellung der Erwerbsfähigkeit“ und wie üblich bleibe ich in der Nacht vorher schlaflos.
Es ist jetzt vier Uhr Morgens und die innere Anspannung, die sich in den letzten Tagen vor allem in schlechter Laune, Verstärkung der Depression und damit einhergehenden Müdigkeit zeigte, in Anspannung und Hang zu selbstverletzendem Verhalten, sie nimmt langsam ab.
„Noch ein paar Stunden, dann ist es eh vorbei“ beruhigt mein Kopf.

Und doch bleibt der Bürokratieirrsinn, der diesem Termin innewohnt, bestehen.

Eine, mir fremde, Ärztin (es mag in anderen Fällen ein Arzt zuständig sein) lässt mich vorstellig werden, um dann in kurzem Gespräch von höchstens 15 Minuten festzustellen, ob ich nicht doch arbeitsfähig sein könnte.
Nicht nur, dass jeder seriöse Arzt angesichts der Möglichkeit, dies in einer Viertelstunde können zu sollen, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, es ist auch für mich ein Graus.
Eine physische Erkrankung manifestiert sich sichtbar, lässt sich auf Röntgenbildern sehen, mit Bluttests feststellen.
Die psychische Erkrankung versteckt sich hinter der Maske physischer Funktionalität.
Und so gehen mir vor dem Termin absurde Dinge durch den Kopf:

„Sehe ich krank genug aus“?

Wie krank muss ich aussehen, oder wie genau sieht man als Depressive wohl krank aus?
Ich lebe mit dauerhaften, seelischen Schmerzen, die physischen Schmerzen in nichts nachstehen, zumindest im persönlichen Vergleich. Weiterlesen

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